Kultur & Städte · Polen
Krakau
Eine Stadt voller Geschichte, Innovation, Leben und Tradition
Ist Krakau wirklich die Stadt der Schriftsteller, Musiker, Maler und Dichter aller Generationen und Kulturen – und eine Universitätsstadt mit berühmten Studenten?

Wir wollen es selbst erleben und erreichen Krakau von Wien aus in etwas mehr als fünf gemütlichen Stunden mit der Bahn. Von Einheimischen haben wir uns Tipps geholt, um die besondere Atmosphäre Krakaus einzufangen.
Hotelwahl und erste Erkundungen
Unsere Wahl fiel auf das „Klezmer Hois“ im Zentrum des Stadtteils Kazimierz. Ein historischer Ort aus dem 15. Jahrhundert mit Druckerei, Buchladen, Café, Restaurant und einem Zentrum der Klezmer-Musik. Mit nur zehn Zimmern ist es ein charmantes und typisches Hotel, in dem Tradition eine große Rolle spielt.
Wir erkunden Kazimierz und erreichen – vorbei am Geburtshaus von Helena Rubinstein – die Jozefa-Straße mit der „Pasaż Listy Schindlera“: eine Passage mit besonderer Atmosphäre und Drehort von „Schindlers Liste“. Originelle Secondhand-Geschäfte und zahlreiche Restaurants lohnen einen Besuch.


Gleich ums Eck befindet sich das Restaurant Starka, das uns empfohlen wurde. Wir sind überrascht, dass das Lokal um 15 Uhr komplett voll ist. Die überaus nette Kellnerin erklärt uns, dass für die Polen 15 Uhr bereits Dinnerzeit ist. Vielleicht sind die Portionen deshalb so groß – aber uns helfen die selbstgemachten Wodkas.
Gut gestärkt nehmen wir den Weg über die Fußgängerbrücke „Vater Bernatka“ zu Schindlers Emaillefabrik in Podgórze. Dieses Museum zeigt die Geschichte der Juden Krakaus von 1939 bis 1945 eindrucksvoll und interaktiv. Nachdenklich verlassen wir das Museum und nehmen die Straßenbahn zurück zum Hotel.



Stadtbesichtigung
Am nächsten Tag starten wir beim „Stary Kleparz“, dem ältesten überdachten Markt Krakaus. Vorbei am Grunwald-Denkmal und dem Barbakan geht es in die Innenstadt. Der „Weg der Könige“ führt uns entlang der Floriańska-Straße zum Hauptmarkt aus dem 13. Jahrhundert. Zwischen Tuchhallen, Rathausturm, St.-Adalbert-Kirche und Marienkirche beeindruckt uns die Fläche von etwa 40.000 Quadratmetern.
Vom höchsten Turm der Marienkirche erklingen zu jeder vollen Stunde vier kurze Trompetenmelodien, die plötzlich abbrechen – eine Erinnerung an einen Tartarenangriff, bei dem der Trompeter von einem Pfeil getroffen wurde. Übrigens ist der heutige Job des Trompeters für manche Krakauer der ideale Beruf: Schließlich hat er nur eine Stunde Arbeitszeit pro Tag.

Interessant ist auch die täglich um 11:50 Uhr von einer Nonne vorgenommene Öffnung des von Veit Stoß geschaffenen Hochaltars der Marienkirche. Für dieses fünfminütige „Spektakel“ muss man eigene Eintrittskarten kaufen. Sehenswert ist ebenso der rechte Nebenaltar mit der Darstellung von Jesus am Kreuz, die Veit Stoß aus einem Monolith gehauen hat.

Universitätsstadt und Lokale
In der Nähe der Marienkirche erholen wir uns in den kleinen Studentenlokalen, die oft in Kellern liegen. Krakau ist eine Universitätsstadt mit der ältesten Universität Polens, gegründet 1384 von Königin Hedwig von Anjou. Berühmte Studenten wie Nikolaus Kopernikus und Karol Józef Wojtyła, der spätere Papst Johannes Paul II., haben hier studiert.
Gut gestärkt mit einigen gefüllten Pierogi, der polnischen Version der Teigtaschen, geht es zur Krakauer Franziskanerkirche. Mich persönlich beeindrucken dort die Wandmalereien im Jugendstil und die unglaublichen Motive und Farben der Glasfenster am meisten. Die einzelnen Fensterscheiben wurden 1897 in Innsbruck in der Tiroler Glaswerkstatt mit einzigartiger Farbintensität und Qualität gefertigt.


Wawel und Umgebung
Unser nächstes Ziel ist der Wawel, der königliche Gebäudekomplex aus dem 11. Jahrhundert. Wir bewundern die Wawel-Kathedrale, in der seit dem 14. Jahrhundert die polnischen Könige gekrönt und begraben wurden. Vorbei am „goldenen Dachl“ von Krakau geht es zur Weichsel, wo der Wawel-Drache alle drei bis vier Minuten Feuer speit.
Im Restaurant Pod Baranem genießen wir köstliche polnische Küche und kommen mit Einheimischen ins Gespräch. Gemeinsam philosophieren wir über österreichische Einflüsse im polnischen Wortschatz und in der Küche.


Salzbergwerk Wieliczka
Am dritten Tag besuchen wir das UNESCO-geschützte Salzbergwerk Wieliczka. Als Österreicher kennen wir Salzbergwerke und waren skeptisch. Doch nach 800 Stufen hinab auf 135 Meter unter Tage wissen wir, warum sich die Reise lohnt. Der 3,5 Kilometer lange Weg führt uns zur imposanten Kathedrale aus Salz, die 18 Meter breit, 55 Meter lang und 12 Meter hoch ist.
Nach der Führung stärken wir uns im Restaurant „Pod Wielką Solą“. Es ist übrigens wieder 15 Uhr, das Restaurant ist voll und die Portionen sind riesig. Auf dem Weg zurück nach Krakau erklimmen wir den „Kopiec Kraka“, den Krak-Hügel, von dem man einen fantastischen Blick auf Krakau, den Wawel und die vielen Kirchen hat.

Eine Stadt zum Wiederkommen
Nach drei erlebnisreichen Tagen fahren wir mit dem Zug wieder nach Wien – im Bewusstsein, dass Krakau eine entzückende Stadt mit liebenswerten und hilfsbereiten Menschen, einer abwechslungsreichen Kultur und vielfältiger Gastronomie ist. Sie lädt zweifellos zu einem zweiten oder dritten Besuch ein.