Länder · Kroatien
Spätsommerträume in Dalmatien
Zwischen Geschichte, Natur und Genuss
Dalmatien zeigt im Spätsommer seine sanfte, magische Seite: Eine Reise für alle Sinne.

Šibenik – Geschichte in steinernen Gassen
Wenn die Sonne tiefer steht und das Licht weicher wird, beginnt in Dalmatien die schönste Jahreszeit. In Šibenik ziehen uns die schmalen Gassen sofort in ihren Bann. Kühl und geheimnisvoll winden sie sich durch die Altstadt, vorbei an steinernen Fassaden, die mehr gesehen haben, als Worte erzählen könnten.
Unser Blick bleibt an Einschusslöchern hängen, die vom Bosnien-Krieg zeugen, an winzigen Fassaden, die nur ein Zimmer breit sind, aber drei Stockwerke hoch – und an Zeichen an den Hausecken, die einst den Reichtum der Bewohner verrieten. Eine Straßenlampe leuchtet – unscheinbar und doch bedeutsam: Sie ist Teil der weltweit ersten elektrischen Beleuchtung, gespeist vom Wasserkraftwerk am Fluss Krka, das Šibenik im Jahr 1895 dank Bürgermeister Ante Šupuk und Nikola Tesla zur Pionierin machte.


Vom Hafen in Šibenik erreichen wir mit dem Schiff Ždrelac die Festung des Heiligen Nikolaus, ein mächtiges Bollwerk, das einst die Stadt vor Angreifern schützte und heute zum UNESCO-Welterbe gehört.


Im Nationalpark Krka
Am nächsten Tag geht es hinaus in die Natur. Von Skradin aus fahren wir mit dem Boot im Nationalpark Krka den Fluss hinauf und das Rauschen des Skradinski Buk ist schon von weitem zu hören. Der Skradinski Buk, einer der spektakulärsten Wasserfälle Europas, empfängt uns mit einer Wucht, die man nicht nur sieht, sondern auch spürt.
Guide Diana bringt uns die Legenden und das frühere Leben am Fluss so lebendig näher, dass die Wanderung über den circa vier Kilometer langen Rundweg fast wie im Flug vergeht – trotz der vielen Stufen. Zurück im kleinen, entzückenden Städtchen Skradin lassen wir den Tag mit Scampi, schwarzem Risotto und einem Glas Graševina ausklingen.

Zwischen Kornati und Betina
Dann öffnet sich die See. Im Kornati-Archipel wirkt die Landschaft wie ein anderes Universum: karge Felsen, weiße Klippen, eine Weite, die den Atem nimmt. Mitten in dieser Einsamkeit stoßen wir, begleitet von Delphinen, auf die Konoba Opat, die wie eine Oase wirkt – ein Ort, an dem Gastfreundschaft und einfache Speisen zum Erlebnis werden.
Fangfrischer Fisch landet direkt auf dem Grill, dazu ein Schuss Olivenöl, Brot aus dem Steinofen und ein Glas lokaler Weißwein – mehr braucht es nicht, um das Glück zu schmecken. Weiter östlich auf Murter, in Betina, erzählt uns das Museum für Holzschiffbau von der Kunst, Boote zu erschaffen, die den Launen von Wellen und Wind trotzen.


Krapanj – die Insel der Schwammtaucher
Und doch sind es nicht nur Natur und Geschichte, die uns bleiben, sondern die Menschen: die Schwammtaucherfamilie Trafani auf Krapanj, die ihr kleines Museum mit Leidenschaft führt, die Winzerin Ivana Prgin Horvat in Primošten, die uns ihre Babić-Weine einschenkt, oder Joško und Ana, die uns spontan ein Glas Travarica anbieten.


Primošten – Wein, Meer und Lebensgefühl
Und schließlich Primošten: eine Halbinsel, die sich wie ein Juwel ins Meer schiebt. Von der Statue „Unsere liebe Frau von Loreto“ bietet sich ein spektakulärer Blick weit über die Küste, die Dächer des Städtchens glühen im Abendlicht.


In der Konoba Capocesto schmeckt das Meer direkt von den Klippen herauf – gegrillter Seeteufel, aromatische Kräuter, ein Hauch Meersalz in der Luft. Wenige Kilometer entfernt, auf dem Weingut Prgin, reift einer der berühmtesten Weine Kroatiens: der Babić von der Lage Bucavac. Kraftvoll, erdig und mineralisch spiegelt er den steinigen Boden zwischen Hügel und Meer wider. Hier, zwischen Wein, Geschichte und Menschen, spüren wir Dalmatien am stärksten.
Rund um den kroatischen Nationalfeiertag am 30. Mai verwandelt sich Primošten zudem in ein Weindorf: Beim jährlichen Festival öffnen die Winzer ihre Keller, Musik erfüllt die Gassen, und Besucher probieren die Vielfalt der Region.





Tradition, die lebendig bleibt
Wer Dalmatien wirklich verstehen will, sollte das Etnoland Pakovo Selo erleben: eine Reise in die Vergangenheit, die Herz und Sinne gleichermaßen berührt. Nach der Begrüßung mit einem Kirschlikör tauchen wir in eine Welt ein, die vom Alltag unserer Großeltern erzählt.
Joško und Ana haben hier mit Leidenschaft eine Bühne geschaffen, die Tradition mit moderner Inszenierung verbindet. Höhepunkt ist eine Multimediashow, die uns zutiefst bewegt und die Geschichte dieser Landschaft in eindringlichen Bildern lebendig werden lässt.

Ein Blick, der bleibt
Als wir schließlich von der Festung Knin auf das dalmatinische Hinterland blicken, verstehen wir, dass Dalmatien nicht nur Strände, sondern auch Geschichte, Natur und Kulinarik in seltener Vielfalt gerade im Herbst und im Frühjahr zu bieten hat. Diese Reise endet zwar hier – doch die Sehnsucht nach Dalmatien wird bleiben.
