Kultur & Städte · Slowenien
Ptuj – ein Wochenende in Sloweniens ältester Stadt
Nur drei Autostunden von Wien entfernt wartet ein überraschend nahes Ziel für einen spontanen Wochenendausflug – zwischen Schloss, mittelalterlichen Gassen, römischem Erbe und regionaler Küche.

Manchmal entstehen die schönsten Ausflüge ganz spontan. Schon länger hatten wir von Ptuj gehört, diesem kleinen slowenischen Städtchen an der Drau, das auf eine außergewöhnlich lange Geschichte zurückblickt. Als wir kurzfristig ein Zimmer fanden, war die Entscheidung rasch getroffen. Von Wien sind es mit dem Auto rund drei Stunden, von Graz sogar nur etwa eine Stunde. Zudem liegt Ptuj nur wenige Kilometer von der Autobahn entfernt – ideal also für einen unkomplizierten Wochenendausflug.
Wohnen mit historischem Charme
Mit dem B&B Šilak fanden wir eine Unterkunft, die kaum besser liegen könnte. Das liebevoll restaurierte historische Haus befindet sich direkt in der Altstadt und verfügt dennoch über einen eigenen Parkplatz vor der Tür – ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Hinter der warmen, orangefarbenen Fassade öffnet sich ein romantischer Innenhof, in dem man sofort die besondere Atmosphäre des Hauses spürt.
Unsere Gastgeberin begrüßt uns herzlich, erklärt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und markiert auf dem Stadtplan gleich noch einige ihrer Lieblingslokale. Persönliche Empfehlungen sind oft die besten Wegweiser – und so machen wir uns ohne lange Pause auf den Weg.


Über steinerne Wege zum Schloss
Der Aufstieg zum Schloss Ptuj führt über eine steile, mit unregelmäßigen Steinen gepflasterte Straße. Der Weg verlangt zwar gutes Schuhwerk, belohnt aber schon unterwegs mit reizvollen Perspektiven auf Mauern, Türme und rote Ziegeldächer.


Oben angekommen, öffnet sich ein eindrucksvoller Blick über das historische Zentrum, die Drau und die weite Landschaft. Das Schloss zählt zu den imposantesten Anlagen Sloweniens und beherbergt die bedeutenden Sammlungen des Regionalmuseums Ptuj-Ormož. Zu sehen sind unter anderem historische Musikinstrumente, Waffen, Möbel, Wandteppiche und die für Ptuj charakteristischen traditionellen Karnevalsmasken.
Doch selbst wer das Museum nicht besucht, sollte den Weg auf den Schlossberg nicht auslassen. Allein das Panorama über die dicht aneinandergereihten Dächer der Stadt gehört zu den schönsten Eindrücken dieses Wochenendes.

Über die malerische Grajska Ulica spazieren wir zurück ins Zentrum. Das Kopfsteinpflaster, die alten Mauern und der Blick auf den markanten Stadtturm lassen die Vergangenheit beinahe greifbar werden. Rund um den Slovenski trg konzentrieren sich einige der bekanntesten Bauwerke: der Stadtturm mit seiner barocken Zwiebelhaube, die St.-Georgs-Kirche, das Stadttheater und das fast fünf Meter hohe Orpheus-Denkmal aus römischer Zeit. Sehenswert ist auch das Minoritenkloster St. Peter und Paul, dessen Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen und dessen prächtige Fassade einen reizvollen Kontrast zu den mittelalterlichen Gassen bildet.


Wo Geschichte zum Spaziergang wird
Unter dem Namen Poetovio war Ptuj einst eine bedeutende römische Stadt. Heute macht der Archäologische Park Poetovio dieses Erbe an mehreren, über das Stadtgebiet verteilten Orten sichtbar. Die einzelnen Stationen sind auf einer eigenen Karte eingezeichnet und können gut im Rahmen eines individuellen Stadtspaziergangs erkundet werden.
Dazu zählen unter anderem das Orpheus-Denkmal, der archäologische Hügel Panorama und die Überreste mehrerer Mithras-Heiligtümer. Ergänzend gibt es Ausstellungen sowie ein bemerkenswert vielfältiges Angebot an thematischen Führungen. Da Termine und Besichtigungsmöglichkeiten unterschiedlich sind, lohnt sich vor dem Besuch ein Blick auf die Homepage von Visit Ptuj. So lässt sich ein nächster Aufenthalt auch gezielt unter ein historisches, kulinarisches oder weinkulturelles Thema stellen.
Regionaler Genuss bei Rozika
Am Abend folgen wir einer weiteren Empfehlung unserer Gastgeberin und kehren in der Gostilna Rozika ein. Das traditionsreiche Restaurant steht für lokale, bodenständige Küche, die mit viel Sorgfalt und einem herzlichen Service serviert wird. Dazu genießen wir einen ausgezeichneten slowenischen Hauswein, bevor ein liebevoll zusammengestellter süßer Teller den Abend abrundet.


Wein und Kulinarik spielen in Ptuj eine wichtige Rolle. Besonders interessant ist das Angebot „Geschmack aus Ptuj“: Acht ausgewählte Restaurants präsentieren jeweils ein eigenes Drei-Gang-Menü mit regionalen Zutaten und Spezialitäten zum einheitlichen Preis von 27 Euro pro Person. Auch die Gostilna Rozika ist Teil dieser Initiative. Eine schöne Möglichkeit, die Stadt nicht nur zu sehen, sondern auch zu schmecken.
Nach einer ruhigen Nacht erwartet uns im B&B Šilak noch ein ausgezeichnetes Frühstück. Viel zu schnell ist unser kurzer Aufenthalt vorbei. Doch gerade darin liegt vielleicht der besondere Reiz von Ptuj: Die Stadt lässt sich an einem Wochenende wunderbar kennenlernen und vermittelt trotzdem das Gefühl, dass noch vieles auf seine Entdeckung wartet.
Wir jedenfalls haben Ptuj nicht als erledigten Punkt auf unserer Reiseliste verlassen, sondern mit dem festen Vorsatz, bald wiederzukommen.
Informationen und Adressen
Ptuj
Sehenswürdigkeiten, Führungen und der Archäologische Park Poetovio
visitptuj.eu/de
B&B Šilak
Historische Unterkunft im Stadtzentrum
rooms-silak.com
Gostilna Rozika
Lokale, traditionelle Küche
gostilna-rozika.si