Genuss & Kulinarik

Balaton im Herbst: Mit Rückenwind zum Genuss

Unsere erste E-Bike-Reise führt uns an den Balaton. Zwischen stillen Uferwegen, Lavendelduft und herbstlichen Weinbergen entdecken wir die Region – und kommen auf den Geschmack des Reisens mit elektrischer Unterstützung.

Text & Fotos: Harald MeyerBalaton · September 2026
Mit dem E-Bike am Balaton

Am Strand des Hotels Azur in Siófok taucht die untergehende Sonne den Balaton in goldenes Licht. Wir bleiben stehen und lassen den Blick über den See wandern. Für den Moment gibt es nichts zu tun, außer anzukommen. Dabei haben Trix und ich durchaus etwas vor: Zum ersten Mal wollen wir mit E-Bikes auf Entdeckungstour gehen.

Die vielen Berichte über Radreisen haben uns neugierig gemacht. Zwei eigene E-Bikes samt Anhängerkupplung und Fahrradträger wären allerdings eine beträchtliche Investition. Bevor wir unser Konto in Bewegung bringen, bewegen wir lieber erst einmal uns selbst – auf geliehenen Rädern.

Wir buchen eine Sternradreise von Donau-Touristik, mit dem Hotel Azur als Ausgangspunkt. Tagsüber neue Wege erkunden, abends ins vertraute Quartier zurückkehren: Das entspricht unserer Vorstellung von entspanntem Reisen. Die ausführlichen Unterlagen mit praktischen Hinweisen und detaillierten Routenbeschreibungen, die Donau-Touristik-Chef Herr Traunmüller persönlich erarbeitet hat, machen schon vor der Abfahrt Lust aufs Losfahren.

Vom Seeufer nach Tihany

Das Hotel Azur liegt direkt am Balaton, mit eigenem Strand und großzügigem Wellnessbereich. Abend- und Frühstücksbuffet bieten reichlich Auswahl. An der Energiezufuhr soll unser Vorhaben jedenfalls nicht scheitern.

Unsere E-Bikes kommen von Balatonbike365. Nach einer Einführung starten wir Richtung Tihany. Aus vorsichtigem Probieren wird bald vergnügtes Pedalieren. Der Motor unterstützt, wir gewinnen Sicherheit – und verstehen langsam, weshalb so viele Menschen von ihren E-Bikes schwärmen.

Die Strecke führt durch ruhige Straßen, vorbei an Wochenendhäusern, die Ende September vielfach schon verlassen wirken. Es ist Dienstag, viele Lokale an den Promenaden bleiben geschlossen. Der Sommer hat hier bereits die Sessel hineingestellt. Wir vermissen seine Lebendigkeit ein wenig, freuen uns als Anfänger aber über den geringen Verkehr.

Mit der Fähre setzen wir zur Halbinsel Tihany über. Bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen erhebt sich vor uns die Benediktinerabtei über dem See. Beim anschließenden Anstieg schließen wir rasch Freundschaft mit der Einstellung „Turbo“. Selbst treten müssen wir weiterhin, doch die Aussicht rückt erfreulich mühelos näher.

Tihany duftet nach Lavendel

Lavendel begleitet uns hier auf Schritt und Tritt. Im Lavender Tihany Experience Center erfahren wir mehr über seine Geschichte und seine Bedeutung für den Ort. Wir besichtigen die Destillerie und schauen den Mitarbeiterinnen bei der Herstellung der Produkte zu.

Die Vielseitigkeit der Pflanze überrascht uns: Gesichts- und Körperpflege, Raumdüfte, Lavendel-Tonic und Likör – kaum ein Lebensbereich, dem sie hier nicht ihre duftende Note verleiht. Tihany hat aus dem Lavendel eine kleine Welt gemacht.

Zum Mittagessen besuchen wir das Restaurant Echo. Von hier oben schweift der Blick weit über den Balaton. Segelboote kreuzen auf dem Wasser, die Abtei vervollständigt das Panorama. Man möchte sich Zeit lassen – und die Küche liefert dafür die besten Gründe.

Ungarische Spezialitäten zeigen sich in geschmackvoller, zeitgemäßer Form: Halászlé, die traditionelle Fischsuppe, Entenleber, Fogosch und Schweinssteak machen das Essen zum kulinarischen Höhepunkt unserer Reise.

Besonders in Erinnerung bleibt uns unser Kellner Máté. Der junge Mann verbindet Fachwissen mit natürlicher Freundlichkeit und einem feinen Gespür für seine Gäste. Er ist aufmerksam, ohne sich aufzudrängen, und herzlich, ohne jede Routinefloskel. Als ehemaliger Hoteldirektor weiß ich, welchen Unterschied solche Mitarbeiter machen. Das Echo darf sich glücklich schätzen, ihn im Team zu haben.

Der süße Abschluss wartet in der Apátsági Rege Cukrászda, der Konditorei bei der Benediktinerabtei. Wieder genießen wir einen herrlichen Seeblick, diesmal mit der berühmten Tihanyi Levendulás Krémes auf dem Teller. Knuspriger Blätterteig, zarte Vanillecreme und Lavendelschaum: Diese Cremeschnitte ist jede Kalorie wert. Aber auch die anderen Kuchen, Torten und Desserts aus der Tortenvitrine stellen unsere Entscheidungskraft ebenfalls auf die Probe.

Wir sind schockverliebt in Tihany. In seine Ausblicke, seine Köstlichkeiten und den Lavendel, der uns durch den Tag begleitet. Nur die bevorstehende Rückfahrt kann uns zum Aufbrechen bewegen.

Den eigenen Rhythmus finden

Unterwegs merken wir, dass unsere erste Tour etwas zu ambitioniert war. Der Motor hilft den Beinen, doch ein langer Tag im Sattel bleibt ein langer Tag im Sattel. Für den Einstieg sind kürzere Strecken und großzügige Pausen offenbar die klügere Wahl.

Zurück im Hotel bekommt der Wellnessbereich deshalb unsere ungeteilte Aufmerksamkeit und beim ausgezeichneten Abendbuffet können wir wieder Kraft und Energie sammeln. Am nächsten Tag planen wir bescheidener. Unter den zahlreichen Tourenvorschlägen von Balatonbike365 finden wir mithilfe von Komoot eine passende Strecke entlang des Sió-Kanals.

Der Kanal verbindet den Balaton mit der Donau; wir erkunden einen Abschnitt des begleitenden Radwegs. Die offene Landschaft und die angenehm zu fahrende Strecke lassen uns rasch unseren Rhythmus finden. Wir bleiben stehen, wenn uns etwas gefällt, und fahren weiter, wenn uns danach ist. Heute hat der Genuss Vorrang vor dem Kilometerzähler.

Weinberge und die Stadt der Könige

Auch das Hinterland lockt mit seinen herbstlichen Farben. In Balatonlelle besuchen wir das familiengeführte Weingut Garamvári, dessen Name eng mit ungarischer Wein- und Sektkultur verbunden ist. Die Weine entstehen am Balaton, die Sekte nach traditioneller Methode in der Budapester Sektkellerei.

Wir haben Glück: Der Chef ist persönlich vor Ort und führt uns mit Begeisterung durch Keller und moderne Produktionsbereiche. Dabei stellt er uns auch einen neuen Sekt in der Magnumflasche vor. Solche Begegnungen geben den Weinen ein Gesicht und bleiben lange in Erinnerung.

Auch das Weingut Kristinus, das wir auf dieser Reise besuchen, lohnt einen Abstecher. Über unsere Begegnung mit Winzer Florian Zaruba und seinen Zugang zum biodynamischen Weinbau erzählen wir ausführlicher in unserer eigenen Kristinus-Reportage.

Zum Abschluss geht es nach Székesfehérvár, in die „Stadt der Könige“. Für geübte Radfahrer ist sie ein mögliches Tourenziel mit Rückfahrt per Bahn. Wir nehmen diesmal das Auto. Unser Muskelkater hat sein Veto eingelegt.

Die Altstadt erkunden wir dafür ausgiebig zu Fuß. Rund um den Reichsapfelbrunnen entdecken wir Kirchen, gepflegte Fassaden und Cafés. Besonders gefallen mir die Antiquariatsstände, an denen Einheimische in gebrauchten Büchern stöbern. Zwischen all der großen Geschichte haben auch diese kleinen Alltagsbeobachtungen ihren Reiz.

Balaton, wir sehen uns wieder

Vier Tage haben genügt, um unsere Neugier auf den Balaton weiter zu wecken. Beim nächsten Besuch möchten wir die Nordküste und ihr Hinterland genauer kennenlernen.

Auch unser Experiment ist gelungen: Die E-Bikes von Balatonbike365 waren angenehm zu fahren und haben uns überzeugt. Landschaften auf zwei Rädern zu entdecken, unterwegs spontan anzuhalten und die Tour dem eigenen Tempo anzupassen, hat uns ausgesprochen gut gefallen.

Vielleicht bringen wir beim nächsten Mal schon unsere eigenen Räder mit. Die Probefahrt ist jedenfalls bestanden.